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März 2018[]

- Frenja Whynter – I. Eintrag -


Es hatte schon bessere Tage gegeben, als jene Ersten auf See. Da mochten die wogenden Wellen bis zum Horizont noch so schön anzusehen sein in der Abenddämmerung – alles verlor seinen Reiz, wenn man dabei die Finger um die Reling klammern musste, um beim Ausspeien des kargen Frühstücks nicht auch noch den sicheren Stand zu verlieren. Die ersten drei Tage hätte Frenja schwören können, dass sie nicht auf Holz stand, sondern vielmehr auf sich windenden Schlangen, die sie zu gerne mit ihren Äxten erschlagen hätte, wenn sie auch nur einen klaren Gedanken hätte fassen können. Stattdessen hatte sie ein Bild abgegeben, für das sie sich schämte. Eine Kriegerin, eine, die den Valarjar nachfolgte, das war sie! Und doch war die See ein Feind, gegen den sie weder Waffengewalt und noch mit wilden Verwünschungen ankommen konnte. Vielleicht waren es am ehesten ihr Stolz und ihre Willenskraft, die ihr dabei halfen, irgendwann etwas besser mit dem stetigen Schaukeln des trägen Schiffsleibes zurecht zu kommen.

Das war es also … Die ersten Schritte eines Lebens nach dem Feldzug gegen die Legion, gegen Antorus. Kheya und sie hatten die Schlachten auf Argus überlebt – jeder Wahrscheinlichkeit zum Trotz. Wenn Frenja ehrlich zu sich selbst war, dann hatte sie nicht daran geglaubt, jenen Krieg zu überstehen. Ihre Waffenschwester und sie hatten einen jeden Tag gekämpft und gelebt, als wäre es ihr letzter. Und was waren es für Tage gewesen!

Das stete Auf- und Niederwogen der Wellen, die bis an den Horizont und noch weiter reichten, verschwamm vor ihren Augen. Langsam lehnte sich die Kriegerin auf die Reling vor ihr und atmete tief ein, als sich die Bilder einer Kathedrale aus den Fluten erhoben, die über dunklen Felsen aufragte. Es mochten nur Erinnerungen sein, die zum Leben erwachten, aber das nahm ihnen nicht einen Funken ihrer Kraft oder ihrer Bedeutung. Eine Gänsehaut trieb es Frenja über die Arme, einen Schauer über ihren Rücken. Sie hörte wieder die Schreie und das Brüllen der Befehle auf dem Schlachtfeld. Erst nur leise, als kämen sie aus weiter Ferne.
Dann aber wurden sie lauter, als träte sie mitten unter sie! Sie sah das grässliche grüne Feuer, mächtig und furchterregend gleichermaßen ...sah, wie es Schneisen auf das Schlachtfeld zog, wie es die kriechenden Leiber der Niedergeworfenen zerfraß. Ein Meer von Flammen, aus dem flackernd und verschwimmend die Konturen jener uralten Kathedrale aufragten. Bis zum Himmel empor reichten die geschwungenen Bögen, die Statuen, die stets wiederkehrenden Mondsymbole. Und bis in den von dunklen Schwaden verhüllten Himmel erstreckte sich der Kampf, der an dieser Stätte tobte!

Schild an Schild, Leib an Leib, so rückten sie vor. Kheya und sie. Nicht einen Moment hatten sie einander verloren. Frenja roch wieder den Gestank von brennendem Fleisch um sie her, sie schmeckte die Asche, sie spürte das ätzende Blut der Verdammnisschwingen, das vom Himmel tropfte wie dunkler Regen. Das Herz klopfte ihr immer kraftvoller in der Brust, als sie Seite an Seite Schritt für Schritt die Kathedrale zurückeroberten.
Wie eine Bestie hatte die Legion sich ihnen entgegen geworfen. Und sie hatten gekämpft. Mit Schwert und Speer, mit Axt und Schild, mit den goldenen Schwingen im Rücken und lodernden Runen auf den Rüstungen. Sie hatten im Herzen der Schlacht gestanden und sich darinnen verloren. Rettungslos. Bedingungslos. Es hatte keine Angst mehr gegeben, keine Vorsicht.
All das hatte endgültig seine Bedeutung verloren im Wirbel von aufbrechendem Fleisch und berstenden Knochen, den Schreien, bei denen man Verbündete nicht mehr von Feinden unterscheiden hatte können. Es war jener Krieg gewesen, für den zu sterben es sich gelohnt hätte.

Frenja schöpfte einen tiefen Atemzug. Dafür waren Kheya und sie geboren worden. Dafür hatte sie geglaubt sterben zu sollen. Und doch standen sie nun hier. Einmal mehr Schulter an Schulter. Zwei Schildmaiden, die den Krieg überlebt hatten. Frenja bettete langsam ihre Hand auf das Haupt der Gefährtin, die sie gefunden hatte, um einen Kuss auf deren Schläfe zu betten.

Sie hatten Antorus überlebt. Es musste mehr auf sie warten. Weitere Kämpfe, die Frenja nicht scheute, die sie nicht fürchtete. Denn was auch kommen würde, sie würden es gemeinsam überstehen.

Und Silithus, in dessen Leib sich das Schwert des Sargeras gegraben hatte, war ein guter Anfang, nicht wahr?

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