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Albträume[]

"Könnt ihr Dämonen denn nur reden?"

Sie fuhr mit einem leisen Aufschrei von ihrem Lager hoch und starrte mit geweiteten Augen in die Finsternis. Der Traum war dieses Mal so real gewesen, dass er ihr den Schweiß auf die Stirn getrieben hatte und für einen Moment glaubte sie sogar, dass ihr das Lachen des Dämons noch in den Ohren hallte.

"Nur ein Traum.", murmelt sie und versuchte mühsam die Beherrschung zurückzugewinnen. Allmählich verlangsamte sich ihr Herzschlag und ihre Atmung normalisierte sich. Was blieb, war ein Gefühl der inneren Unruhe und Anspannung, als säße ihr etwas im Nacken - Etwas, dass sie nicht sehen, sondern nur fühlen konnte. Obwohl es Sommer war, fror sie. Es war keine bittere Kälte, mehr ein Frösteln, dass sie nicht abschütteln konnte - die Ahnung einer Präsenz, die näher kam. Wie damals.

Sie schluckte, als die Erinnerung sie überkam.

Sie spürte...

...Kälte die ihr in die Knochen kriecht, ein unnatürliches Frösteln. Seelenlose Augen, die sich auf die Menschen, Zwerge und Elfen richten. "Der letzte Krieg der Legion hat begonnen!", schnarrt die hallende Stimme, als die ersten Untoten gegen die Verteidiger branden. Fetzen, reißen, beißen, Blut. "Wieder steht die Unterwerfung dieser Welt kurz bevor." - Soldaten, zu Eis erstarrt. Ihre Gesichter, erfrorene Masken des Schreckens. - '"Niemand soll überleben!"...

Für eine Weile saß sie einfach nur da, halb aufgerichtet und klammerte sich an die dünne Wolldecke, lauschte den nächtlichen Klängen der Stadt, die durch das einzige Fenster im Raum in ihr Zimmer drangen. Sie hatte nie nach großartigem, materiellen Besitz gestrebt und so kam sie - seit sie in Sturmwind lebte - mit zwei kleinen Wohnräumen aus, die ihr als Quartier dienten. An dem eher begrenzten Platz hatte sie sich nie gestört, jetzt aber kam ihr das Zimmer und die Dunkelheit darin unerträglich beengend vor. Schließlich hielt sie es nicht mehr länger aus und stürzte auf nackten Füßen zu dem Fenster, riss die Läden auf und ließ das fahle Licht der zwei Monde herein.

Es war eine eher ruhige Nacht, wenn man von den gewöhnlichen Stadtgeräuschen absah. Ein Hund, der in einer entfernten Gasse lauthals bellte, die letzten Zecher, die sich auf den Heimweg machten, das gluckernde Geräusch des Wassers in den Kanälen...

Einen Augenblick lang schloss sie die Augen und atmete die frische Luft ein und versuchte die Unruhe in ihrem Inneren zu ignorieren. "Nur ein Traum.", flüsterte sie erneut, als könnte sie es durch regelmäßige Wiederholung dieser Worte wahr werden lassen. Als wäre es keine reale Erinnerung an etwas, dass sie lieber vergessen hätte. In manchen stillen Momenten fragte sie sich, warum gerade diese Begegnung ihr solche Nachtmahre bescherte. Nicht die untote Geißel, nicht die Zerstörung Theramores, oder die Belagerung Orgrimmars. Nur dieser eine Moment.

Sie öffnete die Augen.

Und sah...

...hunderte von Untoten, die auf die Befestigungen des Lagers zustürmen. Kreischende Gargoyles, die sich aus der Luft auf die Verteidiger stürzen. Ihr Freund Marten, der vor ihren Augen innerhalb weniger Herzschläge verdorrt, bis nur noch verfaultes Fleisch und Knochen übrig sind. Ein höhnisches Grinsen, dass lange, spitze Eckzähne enthüllt. "Ihr verteidigt eine verlorene Welt!" ...

Als sie von Draenor zurückgekehrt war, hatte sie geglaubt, ihren Frieden damit gemacht zu haben. Die Legion hatte versucht, einen Fuß auf diese andere, fremde Welt zu setzen und war letztlich gescheitert. Sie hatten gewonnen. Erneut. Es gab keinen Grund mehr für Albträume, keinen Grund mehr für Schuldgefühle.

"Wieso also jetzt?", dachte sie bitter und starrte teilnahmslos auf die dunklen Umrisse der Kathedrale, die sich schemenhaft vor der Weißen Lady abzeichneten. Konnte es so einfach sein, wie sie es sich dachte, wie sie es auch Velicor erklärt hatte? Lag die Schuld bei den Unruhen selbst, den vielen Flugblättern, welche den Untergang verkündeten?

Es musste so sein. Die Unheilsverkünder brachten die schlechten Erinnerungen zurück und jene trafen auf all die anderen Dinge, die sie in ihrem Inneren mit sich trug und von denen niemand wusste. In Gedanken schalt sie sich selbst für ihre Schwäche. Sie durfte sich nicht derart aus der Ruhe bringen lassen. Nicht von ihren Worten. Nicht von ihren Lügen.

Aber konnten sie nicht endlich damit aufhören?

Unwillkürlich zuckte sie zusammen, denn sie hörte...

...die Lady aus Kul'Tiras, die den Giganten verspottet. - "Könnt ihr Dämonen denn nur reden?" - Eine mutige Herausforderung im Angesicht des Todes. Der gewaltige Dämon vernichtet die Befestigungen mit einer nachlässigen Geste, voller Verachtung. Seine Fratze wird sie jahrelang in ihren Träumen heimsuchen. Die Welt verschwimmt vor ihren Augen, als Lady Prachtmeer den Teleportationszauber wirkt. Sie bricht zusammen...

Ein Knistern lag in der Luft, als die Präsenz erdrückender wurde und ihr fast die Luft zum atmen nahm, obgleich sie doch am Fenster stand. Ihre Finger verkrampften sich, die Nägel bohrten sich in das Holz des Fensterrahmens, bis winzige Tropfen ihres Blutes aus der verletzten Haut sickerten.Sie spürte, dass etwas nicht stimmte.

Etwas drang durch den Schleier.

Kam näher.

War da.

"Die Brennende Legion ist zurück."

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